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Wenngleich vorzüglich des Nachts thätig, treiben ſich dieſe Thiere oft auch in der brennendſten Sonnenhitze herum. Die Raſchheit ihrer Bewegungen während des Springens iſt eine unglaubliche, man vermeint fliegende Vögel oder Pfeile vor ſich zu haben. Dieſe vollkommen harmloſen Thiere, die ſich nicht einmal zur Wehr ſetzen, wenn ſie mit der Hand ergriffen werden, fallen maſſenhaft der egyptiſchen Brillenſchlange zur Beute, die ihre Bauten oft gänzlich entvölkert. Nach der Ausſage der Araber findet man in ihren Höhlen für jedes Paar jährlich 2 bis 4 Junge.

5. Mäuſe. (Murina.)

Nagethiere mit beinahe nackten Ohren und Schwanz, letzterer meiſt lang, Schnauze meiſt ſpitzig.Zahnformel gewöhnlich i$\frac{1}{1}$, c$\frac{0}{0}$, m$\frac{3}{3}$. Sie bewohnen Erdlöcher mit vielen Eingängen und ſind Tag und Nacht thåtig, um ihrer gemiſchten Nahrung nachzugehen. Mit Ausnahme Neuhollands fehlen ſie nirgends; die Hausmäuſe und Ratten folgten dem Europäer aber auch dorthin. Sie halten größtentheils keinen Winterſchlaf.

Wir führen als Beiſpiel die Zwergmaus (Mus minutus, Pall.) (Fig. 35) an. Sie wird mit dem körperlangen Schwanze 14 Ctm. lang, iſt alſo nach der Zwergſpitzmaus das kleinſte Säugethier und ſchwankt in der Färbung nach Alter und Jahreszeit zwiſchen Braunroth und Grau, mit weißer bis grauer Bauchſeite. In ganz Europa und Sibirien iſt ihre Heimath, Felder, ſumpfige, ſchilfbewachsene Gegenden, Gärten und Scheunen ſind ihr Aufenthaltsort. Die Nahrung beſteht aus Körnern, Früchten und Insecten. Die Zwergmaus iſt durch ihren Neſtbau berühmt geworden, da ſie ſich darauf verſteht, auf Schilfhalmen oder auf Geſträuch ein fauſtgroßes beinahe kugelförmiges Neſt mit ſeitlicher Oeffnung zu bauen, das aus dem allſeitig verflochtenen und verfilzten Materiale das Standortes verfertigt, leicht überſehen wird. Obwohl es hoch in der Luft ſchwebt, ſo iſt es einem ſo gewandten Kletterer, wie die Zwergmaus einer iſt, doch ein Leichtes, es zu erreichen. Ohne Zweifel iſt das Thierchen die gewandteſte unter allen Mäuſen und ein vorzüglicher Schwimmer. Zwei- bis dreimal im Jahre werden 5 bis 9 Junge geworfen.

In dieſe Familie gehört auch die Hausmaus (Mus musculus, L.), die Wanderratte (Mus decumanus, Pall.), die im Jahre 1727 nach einem Erdbeben aus Aſien über die Wolga nach Rußland einwanderte und ſich ſeither, Schiffe benützend, über die ganze bewohnte Erde verbreitete, die Hausratte (Mus rattus, L.) überall überwältigend und vor ſich hertreibend, ſo daß ſich letztere gegenwärtig nur mehr in entlegenen Gebirgsdörfern und im weſtlichen Amerika etwas häufiger vorfindet, und der ſtellenweiſe ſehr ſchädlich werdende Hamſter (Cricetus frumentarius. Pall.), der Winterſchlaf hält und Backentaſchen beſitzt.

6. Wühlmäuſe. (Arvicolina.).

Die Wühlmäuſe ſtehen den Mäuſen ſehr nahe, haben aber behaarte kurze Ohren, und einen behaarten. in den meiſten Fällen kürzeren Schwanz. Auch die Schnautze iſt kurz und breit. Zahnformel immer i$\frac{1}{1}$, c$\frac{1}{1}$, m$\frac{1}{1}$. Sie bewohnen die nördliche Halbkugel.

Die Zibethratte (Fiber Zibethicus, Cuv.) (Fig. 36) iſt ein Bewohner Nordamerikas, wo ſie überall zwiſchen dem 30. und 69. Breitegrade vorkommt, am häufigſten aber in Canada gefunden wird. Sammt dem, bei ihr ausnahmsweiſe beinahe körperlangen Schwanze wird ſie 62 Ctm. lang, und iſt oben braun, unten grau gefärbt. Der Schwanz in von den Seiten her zuſammengedrückt und nur ſpärlich behaart. Die Hinterfüße tragen kurze Schwimmhäute. Ihr Aufenthaltsort iſt das Ufer eines Sees, oder Teiches, auch eines Fluſſes oder Baches, wo ſie zu größeren Geſellſchaften vereinigt unregelmäßige, verzweigte Gänge unter der Erde bewohnt, die unter Waſſer münden. Im höheren Norden, wo ſolche leicht durch Eisbildung unzugänglich werden könnten, baut ſie Burgen, ähnlich denen der Biber, kugelförmige, auf Schlammbänken angebrachte, und über das Waſſer ragende Bauten, welche aus Schlamm, der mit Schilf und Binſen untermiſcht iſt, hergeſtellt werden, im Innern eine 48 bis 62 Ctm. weite Kammer haben, und deren Eingänge gleichfalls tief unter Waſſer liegen, ſo daß ſie nicht leicht zufrieren können. Blind endigende Röhren führen von der Wohnkammer aus nach allen Richtungen, um im Winter das Aufſuchen der Wurzeln von Waſſerpflanzen zu ermöglichen. Letztere und Muſcheln bilden die Hauptnahrung der Zibethratte. Obgleich dieſelbe durch Unterwühlen von Dämmen und dadurch veranlaßte Ueberſchwemmungen, ſo wie durch Verwüſtungen von Anpflanzungen mitunter Schaden anrichtet, muß ſie dennoch, und zwar als die einzige nützliche Wühlmaus bezeichnet werden, da jährlich Hunderttausende ihrer Felle in den Handel gebracht werden, und unter dem Namen Biſamfelle in den ſchönſten Exemplaren den Werth von 1 fl. 60 kr. erreichen.

Fig. 35

Die Zwergmaus (Mus minitus, Pall.) mit ihrem Neſte.

×

Fig. 36

Die Zibethratte (Fiber zibethicus, Cuv.) und ihre Bauten.

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Wenngleich vorzüglich des Nachts thätig, treiben ſich dieſe Thiere oft
auch in der brennendſten Sonnenhitze herum. Die Raſchheit ihrer
Bewegungen während des Springens iſt eine unglaubliche, man vermeint
fliegende Vögel oder Pfeile vor ſich zu haben. Dieſe vollkommen
harmloſen Thiere, die ſich nicht einmal zur Wehr ſetzen, wenn ſie mit
der Hand ergriffen werden, fallen maſſenhaft der egyptiſchen
Brillenſchlange zur Beute, die ihre Bauten oft gänzlich entvölkert. Nach
der Ausſage der Araber findet man in ihren Höhlen für jedes Paar
jährlich 2 bis 4 Junge.

5. Mäuſe. (Murina.)

Nagethiere mit beinahe nackten Ohren und Schwanz, letzterer meiſt lang,
Schnauze meiſt ſpitzig.Zahnformel gewöhnlich i\frac{1}{1}, c\frac{0}{0},
m\frac{3}{3}. Sie bewohnen Erdlöcher mit vielen Eingängen und ſind Tag
und Nacht thåtig, um ihrer gemiſchten Nahrung nachzugehen. Mit Ausnahme
Neuhollands fehlen ſie nirgends; die Hausmäuſe und Ratten folgten dem
Europäer aber auch dorthin. Sie halten größtentheils keinen
Winterſchlaf.

Wir führen als Beiſpiel die Zwergmaus (Mus minutus, Pall.) (Fig. 35) an.
Sie wird mit dem körperlangen Schwanze 14 Ctm. lang, iſt alſo nach der
Zwergſpitzmaus das kleinſte Säugethier und ſchwankt in der Färbung nach
Alter und Jahreszeit zwiſchen Braunroth und Grau, mit weißer bis grauer
Bauchſeite. In ganz Europa und Sibirien iſt ihre Heimath, Felder,
ſumpfige, ſchilfbewachsene Gegenden, Gärten und Scheunen ſind ihr
Aufenthaltsort. Die Nahrung beſteht aus Körnern, Früchten und Insecten.
Die Zwergmaus iſt durch ihren Neſtbau berühmt geworden, da ſie ſich
darauf verſteht, auf Schilfhalmen oder auf Geſträuch ein fauſtgroßes
beinahe kugelförmiges Neſt mit ſeitlicher Oeffnung zu bauen, das aus dem
allſeitig verflochtenen und verfilzten Materiale das Standortes
verfertigt, leicht überſehen wird. Obwohl es hoch in der Luft ſchwebt,
ſo iſt es einem ſo gewandten Kletterer, wie die Zwergmaus einer iſt,
doch ein Leichtes, es zu erreichen. Ohne Zweifel iſt das Thierchen die
gewandteſte unter allen Mäuſen und ein vorzüglicher Schwimmer. Zwei- bis
dreimal im Jahre werden 5 bis 9 Junge geworfen.

In dieſe Familie gehört auch die Hausmaus (Mus muſcu1us, L.), die
Wanderratte (Mus decumanus, Pall.), die im Jahre 1727 nach einem
Erdbeben aus Aſien über die Wolga nach Rußland einwanderte und ſich
ſeither, Schiffe benützend, über die ganze bewohnte Erde verbreitete,
die Hausratte (Mus rattus, L.) überall überwältigend und vor ſich
hertreibend, ſo daß ſich letztere gegenwärtig nur mehr in entlegenen
Gebirgsdörfern und im weſtlichen Amerika etwas häufiger vorfindet, und
der ſtellenweiſe ſehr ſchädlich werdende Hamſter (Cricetus frumentarius.
Pall.), der Winterſchlaf hält und Backentaſchen beſitzt.

6. Wühlmäuſe. (Arvicolina.).

Die Wühlmäuſe ſtehen den Mäuſen ſehr nahe, haben aber behaarte kurze
Ohren, und einen behaarten. in den meiſten Fällen kürzeren Schwanz. Auch
die Schnautze iſt kurz und breit. Zahnformel immer i\frac{1}{1},
c\frac{1}{1}, m\frac{1}{1}. Sie bewohnen die nördliche Halbkugel.

Die Zibethratte (Fiber Zibethicus, Cuv.) (Fig. 36) iſt ein Bewohner
Nordamerikas, wo ſie überall zwiſchen dem 30. und 69. Breitegrade
vorkommt, am häufigſten aber in Canada gefunden wird. Sammt dem, bei ihr
ausnahmsweiſe beinahe körperlangen Schwanze wird ſie 62 Ctm. lang, und
iſt oben braun, unten grau gefärbt. Der Schwanz in von den Seiten her
zuſammengedrückt und nur ſpärlich behaart. Die Hinterfüße tragen kurze
Schwimmhäute. Ihr Aufenthaltsort iſt das Ufer eines Sees, oder Teiches,
auch eines Fluſſes oder Baches, wo ſie zu größeren Geſellſchaften
vereinigt unregelmäßige, verzweigte Gänge unter der Erde bewohnt, die
unter Waſſer münden. Im höheren Norden, wo ſolche leicht durch
Eisbildung unzugänglich werden könnten, baut ſie Burgen, ähnlich denen
der Biber, kugelförmige, auf Schlammbänken angebrachte, und über das
Waſſer ragende Bauten, welche aus Schlamm, der mit Schilf und Binſen
untermiſcht iſt, hergeſtellt werden, im Innern eine 48 bis 62 Ctm. weite
Kammer haben, und deren Eingänge gleichfalls tief unter Waſſer liegen,
ſo daß ſie nicht leicht zufrieren können. Blind endigende Röhren führen
von der Wohnkammer aus nach allen Richtungen, um im Winter das Aufſuchen
der Wurzeln von Waſſerpflanzen zu ermöglichen. Letztere und Muſcheln
bilden die Hauptnahrung der Zibethratte. Obgleich dieſelbe durch
Unterwühlen von Dämmen und dadurch veranlaßte Ueberſchwemmungen, ſo wie
durch Verwüſtungen von Anpflanzungen mitunter Schaden anrichtet, muß ſie
dennoch, und zwar als die einzige nützliche Wühlmaus bezeichnet werden,
da jährlich Hunderttausende ihrer Felle in den Handel gebracht werden,
und unter dem Namen Biſamfelle in den ſchönſten Exemplaren den Werth von
1 fl. 60 kr. erreichen.
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Wenngleich vorzüglich des Nachts thätig, treiben ſich dieſe Thiere oft auch in der brennendſten Sonnenhitze herum. Die Raſchheit ihrer Bewegungen während des Springens iſt eine unglaubliche, man vermeint fliegende Vögel oder Pfeile vor ſich zu haben. Dieſe vollkommen harmloſen Thiere, die ſich nicht einmal zur Wehr ſetzen, wenn ſie mit der Hand ergriffen werden, fallen maſſenhaft der egyptiſchen Brillenſchlange zur Beute, die ihre Bauten oft gänzlich entvölkert.  Nach der Ausſage der Araber findet man in ihren Höhlen für jedes Paar jährlich 2 bis 4 Junge.

#### 5.  Mäuſe. __(Murina.)__

Nagethiere mit beinahe nackten Ohren und Schwanz, letzterer meiſt lang, Schnauze meiſt ſpitzig.Zahnformel gewöhnlich __i__$\frac{1}{1}$, __c__$\frac{0}{0}$, __m__$\frac{3}{3}$. Sie bewohnen Erdlöcher mit vielen Eingängen und ſind Tag und Nacht thåtig, um ihrer gemiſchten Nahrung nachzugehen. Mit Ausnahme Neuhollands fehlen ſie nirgends; die Hausmäuſe und Ratten folgten dem Europäer aber auch dorthin. Sie halten größtentheils keinen Winterſchlaf.

Wir führen als Beiſpiel die _Zwergmaus_ __(Mus minutus, Pall.)__ (Fig. 35) an. Sie wird mit dem körperlangen Schwanze 14 Ctm. lang, iſt alſo nach der Zwergſpitzmaus das kleinſte Säugethier und ſchwankt in der Färbung nach Alter und Jahreszeit zwiſchen Braunroth und Grau, mit weißer bis grauer Bauchſeite. In ganz Europa und Sibirien iſt ihre Heimath, Felder, ſumpfige, ſchilfbewachsene Gegenden, Gärten und Scheunen ſind ihr Aufenthaltsort. Die Nahrung beſteht aus Körnern, Früchten und Insecten. Die Zwergmaus iſt durch ihren Neſtbau berühmt geworden, da ſie ſich darauf verſteht, auf Schilfhalmen oder auf Geſträuch ein fauſtgroßes beinahe kugelförmiges Neſt mit ſeitlicher Oeffnung zu bauen, das aus dem allſeitig verflochtenen und verfilzten Materiale das Standortes verfertigt, leicht überſehen wird.  Obwohl es hoch in der Luft ſchwebt, ſo iſt es einem ſo gewandten Kletterer, wie die Zwergmaus einer iſt, doch ein Leichtes, es zu erreichen. Ohne Zweifel iſt das Thierchen die gewandteſte unter allen Mäuſen und ein vorzüglicher Schwimmer. Zwei- bis dreimal im Jahre werden 5 bis 9 Junge geworfen.

In dieſe Familie gehört auch die _Hausmaus_ __(Mus musculus, L.)__, die _Wanderratte_ __(Mus decumanus, Pall.)__, die im Jahre 1727 nach einem Erdbeben aus Aſien über die Wolga nach Rußland einwanderte und ſich ſeither, Schiffe benützend, über die ganze bewohnte Erde verbreitete, die _Hausratte_ __(Mus rattus, L.)__ überall überwältigend und vor ſich hertreibend, ſo daß ſich letztere gegenwärtig nur mehr in entlegenen Gebirgsdörfern und im weſtlichen Amerika etwas häufiger vorfindet, und der ſtellenweiſe ſehr ſchädlich werdende _Hamſter_ __(Cricetus frumentarius. Pall.)__, der Winterſchlaf hält und Backentaſchen beſitzt.

#### 6. Wühlmäuſe. __(Arvicolina.)__.

Die Wühlmäuſe ſtehen den Mäuſen ſehr nahe, haben aber behaarte kurze Ohren, und einen behaarten. in den meiſten Fällen kürzeren Schwanz. Auch die Schnautze iſt kurz und breit. Zahnformel immer __i__$\frac{1}{1}$, __c__$\frac{1}{1}$, __m__$\frac{1}{1}$. Sie bewohnen die nördliche Halbkugel.

_Die Zibethratte_ __(Fiber Zibethicus, Cuv.)__ (Fig. 36) iſt ein Bewohner Nordamerikas, wo ſie überall zwiſchen dem 30. und 69. Breitegrade vorkommt, am häufigſten aber in Canada gefunden wird. Sammt dem, bei ihr ausnahmsweiſe beinahe körperlangen Schwanze wird ſie 62 Ctm. lang, und iſt oben braun, unten grau gefärbt. Der Schwanz in von den Seiten her zuſammengedrückt und nur ſpärlich behaart. Die Hinterfüße tragen kurze Schwimmhäute.  Ihr Aufenthaltsort iſt das Ufer eines Sees, oder Teiches, auch eines Fluſſes oder Baches, wo ſie zu größeren Geſellſchaften vereinigt unregelmäßige, verzweigte Gänge unter der Erde bewohnt, die unter Waſſer münden. Im höheren Norden, wo ſolche leicht durch Eisbildung unzugänglich werden könnten, baut ſie Burgen, ähnlich denen der Biber, kugelförmige, auf Schlammbänken angebrachte, und über das Waſſer ragende Bauten, welche aus Schlamm, der mit Schilf und Binſen untermiſcht iſt, hergeſtellt werden, im Innern eine 48 bis 62 Ctm. weite Kammer haben, und deren Eingänge gleichfalls tief unter Waſſer liegen, ſo daß ſie nicht leicht zufrieren können.  Blind endigende Röhren führen von der Wohnkammer aus nach allen Richtungen, um im Winter das Aufſuchen der Wurzeln von Waſſerpflanzen zu ermöglichen. Letztere und Muſcheln bilden die Hauptnahrung der Zibethratte. Obgleich dieſelbe durch Unterwühlen von Dämmen und dadurch veranlaßte Ueberſchwemmungen, ſo wie durch Verwüſtungen von Anpflanzungen mitunter Schaden anrichtet, muß ſie dennoch, und zwar als die einzige nützliche Wühlmaus bezeichnet werden, da jährlich Hunderttausende ihrer Felle in den Handel gebracht werden, und unter dem Namen Biſamfelle in den ſchönſten Exemplaren den Werth von 1 fl. 60 kr. erreichen.

×
Wenngleich vorzüglich des Nachts thätig, treiben sich diese Thiere oft
auch in der brennendsten Sonnenhitze herum. Die Raschheit ihrer
Bewegungen während des Springens ist eine unglaubliche, man vermeint
fliegende Vögel oder Pfeile vor sich zu haben. Diese vollkommen
harmlosen Thiere, die sich nicht einmal zur Wehr setzen, wenn sie mit
der Hand ergriffen werden, fallen massenhaft der egyptischen
Brillenschlange zur Beute, die ihre Bauten oft gänzlich entvölkert. Nach
der Aussage der Araber findet man in ihren Höhlen für jedes Paar
jährlich 2 bis 4 Junge.

5. Mäuse. (Murina.)

Nagethiere mit beinahe nackten Ohren und Schwanz, letzterer meist lang,
Schnauze meist spitzig.Zahnformel gewöhnlich i\frac{1}{1}, c\frac{0}{0},
m\frac{3}{3}. Sie bewohnen Erdlöcher mit vielen Eingängen und sind Tag
und Nacht thåtig, um ihrer gemischten Nahrung nachzugehen. Mit Ausnahme
Neuhollands fehlen sie nirgends; die Hausmäuse und Ratten folgten dem
Europäer aber auch dorthin. Sie halten größtentheils keinen
Winterschlaf.

Wir führen als Beispiel die Zwergmaus (Mus minutus, Pall.) (Fig. 35) an.
Sie wird mit dem körperlangen Schwanze 14 Ctm. lang, ist also nach der
Zwergspitzmaus das kleinste Säugethier und schwankt in der Färbung nach
Alter und Jahreszeit zwischen Braunroth und Grau, mit weißer bis grauer
Bauchseite. In ganz Europa und Sibirien ist ihre Heimath, Felder,
sumpfige, schilfbewachsene Gegenden, Gärten und Scheunen sind ihr
Aufenthaltsort. Die Nahrung besteht aus Körnern, Früchten und Insecten.
Die Zwergmaus ist durch ihren Nestbau berühmt geworden, da sie sich
darauf versteht, auf Schilfhalmen oder auf Gesträuch ein faustgroßes
beinahe kugelförmiges Nest mit seitlicher Oeffnung zu bauen, das aus dem
allseitig verflochtenen und verfilzten Materiale das Standortes
verfertigt, leicht übersehen wird. Obwohl es hoch in der Luft schwebt,
so ist es einem so gewandten Kletterer, wie die Zwergmaus einer ist,
doch ein Leichtes, es zu erreichen. Ohne Zweifel ist das Thierchen die
gewandteste unter allen Mäusen und ein vorzüglicher Schwimmer. Zwei- bis
dreimal im Jahre werden 5 bis 9 Junge geworfen.

In diese Familie gehört auch die Hausmaus (Mus muscu1us, L.), die
Wanderratte (Mus decumanus, Pall.), die im Jahre 1727 nach einem
Erdbeben aus Asien über die Wolga nach Rußland einwanderte und sich
seither, Schiffe benützend, über die ganze bewohnte Erde verbreitete,
die Hausratte (Mus rattus, L.) überall überwältigend und vor sich
hertreibend, so daß sich letztere gegenwärtig nur mehr in entlegenen
Gebirgsdörfern und im westlichen Amerika etwas häufiger vorfindet, und
der stellenweise sehr schädlich werdende Hamster (Cricetus frumentarius.
Pall.), der Winterschlaf hält und Backentaschen besitzt.

6. Wühlmäuse. (Arvicolina.).

Die Wühlmäuse stehen den Mäusen sehr nahe, haben aber behaarte kurze
Ohren, und einen behaarten. in den meisten Fällen kürzeren Schwanz. Auch
die Schnautze ist kurz und breit. Zahnformel immer i\frac{1}{1},
c\frac{1}{1}, m\frac{1}{1}. Sie bewohnen die nördliche Halbkugel.

Die Zibethratte (Fiber Zibethicus, Cuv.) (Fig. 36) ist ein Bewohner
Nordamerikas, wo sie überall zwischen dem 30. und 69. Breitegrade
vorkommt, am häufigsten aber in Canada gefunden wird. Sammt dem, bei ihr
ausnahmsweise beinahe körperlangen Schwanze wird sie 62 Ctm. lang, und
ist oben braun, unten grau gefärbt. Der Schwanz in von den Seiten her
zusammengedrückt und nur spärlich behaart. Die Hinterfüße tragen kurze
Schwimmhäute. Ihr Aufenthaltsort ist das Ufer eines Sees, oder Teiches,
auch eines Flusses oder Baches, wo sie zu größeren Gesellschaften
vereinigt unregelmäßige, verzweigte Gänge unter der Erde bewohnt, die
unter Wasser münden. Im höheren Norden, wo solche leicht durch
Eisbildung unzugänglich werden könnten, baut sie Burgen, ähnlich denen
der Biber, kugelförmige, auf Schlammbänken angebrachte, und über das
Wasser ragende Bauten, welche aus Schlamm, der mit Schilf und Binsen
untermischt ist, hergestellt werden, im Innern eine 48 bis 62 Ctm. weite
Kammer haben, und deren Eingänge gleichfalls tief unter Wasser liegen,
so daß sie nicht leicht zufrieren können. Blind endigende Röhren führen
von der Wohnkammer aus nach allen Richtungen, um im Winter das Aufsuchen
der Wurzeln von Wasserpflanzen zu ermöglichen. Letztere und Muscheln
bilden die Hauptnahrung der Zibethratte. Obgleich dieselbe durch
Unterwühlen von Dämmen und dadurch veranlaßte Ueberschwemmungen, so wie
durch Verwüstungen von Anpflanzungen mitunter Schaden anrichtet, muß sie
dennoch, und zwar als die einzige nützliche Wühlmaus bezeichnet werden,
da jährlich Hunderttausende ihrer Felle in den Handel gebracht werden,
und unter dem Namen Bisamfelle in den schönsten Exemplaren den Werth von
1 fl. 60 kr. erreichen.
×
Wenngleich vorzüglich des Nachts thätig, treiben sich diese Thiere oft auch in der brennendsten Sonnenhitze herum. Die Raschheit ihrer Bewegungen während des Springens ist eine unglaubliche, man vermeint fliegende Vögel oder Pfeile vor sich zu haben. Diese vollkommen harmlosen Thiere, die sich nicht einmal zur Wehr setzen, wenn sie mit der Hand ergriffen werden, fallen massenhaft der egyptischen Brillenschlange zur Beute, die ihre Bauten oft gänzlich entvölkert.  Nach der Aussage der Araber findet man in ihren Höhlen für jedes Paar jährlich 2 bis 4 Junge.

#### 5.  Mäuse. __(Murina.)__

Nagethiere mit beinahe nackten Ohren und Schwanz, letzterer meist lang, Schnauze meist spitzig.Zahnformel gewöhnlich __i__$\frac{1}{1}$, __c__$\frac{0}{0}$, __m__$\frac{3}{3}$. Sie bewohnen Erdlöcher mit vielen Eingängen und sind Tag und Nacht thåtig, um ihrer gemischten Nahrung nachzugehen. Mit Ausnahme Neuhollands fehlen sie nirgends; die Hausmäuse und Ratten folgten dem Europäer aber auch dorthin. Sie halten größtentheils keinen Winterschlaf.

Wir führen als Beispiel die _Zwergmaus_ __(Mus minutus, Pall.)__ (Fig. 35) an. Sie wird mit dem körperlangen Schwanze 14 Ctm. lang, ist also nach der Zwergspitzmaus das kleinste Säugethier und schwankt in der Färbung nach Alter und Jahreszeit zwischen Braunroth und Grau, mit weißer bis grauer Bauchseite. In ganz Europa und Sibirien ist ihre Heimath, Felder, sumpfige, schilfbewachsene Gegenden, Gärten und Scheunen sind ihr Aufenthaltsort. Die Nahrung besteht aus Körnern, Früchten und Insecten. Die Zwergmaus ist durch ihren Nestbau berühmt geworden, da sie sich darauf versteht, auf Schilfhalmen oder auf Gesträuch ein faustgroßes beinahe kugelförmiges Nest mit seitlicher Oeffnung zu bauen, das aus dem allseitig verflochtenen und verfilzten Materiale das Standortes verfertigt, leicht übersehen wird.  Obwohl es hoch in der Luft schwebt, so ist es einem so gewandten Kletterer, wie die Zwergmaus einer ist, doch ein Leichtes, es zu erreichen. Ohne Zweifel ist das Thierchen die gewandteste unter allen Mäusen und ein vorzüglicher Schwimmer. Zwei- bis dreimal im Jahre werden 5 bis 9 Junge geworfen.

In diese Familie gehört auch die _Hausmaus_ __(Mus musculus, L.)__, die _Wanderratte_ __(Mus decumanus, Pall.)__, die im Jahre 1727 nach einem Erdbeben aus Asien über die Wolga nach Rußland einwanderte und sich seither, Schiffe benützend, über die ganze bewohnte Erde verbreitete, die _Hausratte_ __(Mus rattus, L.)__ überall überwältigend und vor sich hertreibend, so daß sich letztere gegenwärtig nur mehr in entlegenen Gebirgsdörfern und im westlichen Amerika etwas häufiger vorfindet, und der stellenweise sehr schädlich werdende _Hamster_ __(Cricetus frumentarius. Pall.)__, der Winterschlaf hält und Backentaschen besitzt.

#### 6. Wühlmäuse. __(Arvicolina.)__.

Die Wühlmäuse stehen den Mäusen sehr nahe, haben aber behaarte kurze Ohren, und einen behaarten. in den meisten Fällen kürzeren Schwanz. Auch die Schnautze ist kurz und breit. Zahnformel immer __i__$\frac{1}{1}$, __c__$\frac{1}{1}$, __m__$\frac{1}{1}$. Sie bewohnen die nördliche Halbkugel.

_Die Zibethratte_ __(Fiber Zibethicus, Cuv.)__ (Fig. 36) ist ein Bewohner Nordamerikas, wo sie überall zwischen dem 30. und 69. Breitegrade vorkommt, am häufigsten aber in Canada gefunden wird. Sammt dem, bei ihr ausnahmsweise beinahe körperlangen Schwanze wird sie 62 Ctm. lang, und ist oben braun, unten grau gefärbt. Der Schwanz in von den Seiten her zusammengedrückt und nur spärlich behaart. Die Hinterfüße tragen kurze Schwimmhäute.  Ihr Aufenthaltsort ist das Ufer eines Sees, oder Teiches, auch eines Flusses oder Baches, wo sie zu größeren Gesellschaften vereinigt unregelmäßige, verzweigte Gänge unter der Erde bewohnt, die unter Wasser münden. Im höheren Norden, wo solche leicht durch Eisbildung unzugänglich werden könnten, baut sie Burgen, ähnlich denen der Biber, kugelförmige, auf Schlammbänken angebrachte, und über das Wasser ragende Bauten, welche aus Schlamm, der mit Schilf und Binsen untermischt ist, hergestellt werden, im Innern eine 48 bis 62 Ctm. weite Kammer haben, und deren Eingänge gleichfalls tief unter Wasser liegen, so daß sie nicht leicht zufrieren können.  Blind endigende Röhren führen von der Wohnkammer aus nach allen Richtungen, um im Winter das Aufsuchen der Wurzeln von Wasserpflanzen zu ermöglichen. Letztere und Muscheln bilden die Hauptnahrung der Zibethratte. Obgleich dieselbe durch Unterwühlen von Dämmen und dadurch veranlaßte Ueberschwemmungen, so wie durch Verwüstungen von Anpflanzungen mitunter Schaden anrichtet, muß sie dennoch, und zwar als die einzige nützliche Wühlmaus bezeichnet werden, da jährlich Hunderttausende ihrer Felle in den Handel gebracht werden, und unter dem Namen Bisamfelle in den schönsten Exemplaren den Werth von 1 fl. 60 kr. erreichen.

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